Artikel und Berichte
Fachbeiträge, Messe- und Auktionsberichte sowie Hintergrundartikel rund um das Thema Reservistenkrüge.
Bisher wurden folgende Artikel oder Berichte von mir veröffentlicht:
- „Der Maikäfer Krug"
- Grundsteinlegung „DEUTSCHES MUSEUM"
- Sonderausstellung Gochsheim
- Maikäfer Artikel – Sammler Journal
- Reservistenkrüge aus der Kaiserzeit – TEUTONIA Aktuell
Eine frivole Szene auf einem Reservistenkrug
In der Kaiserzeit war die öffentliche Darstellung erotischer Bilder oder Szenen verpönt, was aber nicht heißen soll, dass keine derartigen Fotos oder Bilder bei Reservistenkrügen zu finden sind. Man muss sie meist suchen, denn die erotischen Fotos sind gerne auf den Glasstiften oder Glaslupen, welche in den Deckelfiguren oder in den Drückern der Krugdeckel eingearbeitet sind, montiert. Der normale Betrachter eines Reservistenkrugs kommt selten auf die Idee einmal durch eine Glaslupe zu schauen, welche eine fast 100-fache Vergrößerung eines Fotos wiedergibt. Die Negative der Fotos in der Größe 1 mm × 1,5 mm werden durch den konischen Glasstift und eine konkav geschliffene Betrachterfläche auf die Größe einer Postkarte vergrößert. So sind diese Pornos nur dem eingeweihten Betrachter sichtbar. Dass eine frivole Szene direkt auf der Vorderseite eines Reservistenkrugs angebracht ist, ist jedoch sehr ungewöhnlich und sehr selten.
Der farbenprächtige Porzellan-Reservistenkrug vom Reservist Knackendöffel, welcher bei der 1. Kompagnie des 2. Hannoverschen Infanterie Regiments No. 77 in Celle von 1909–1911 gedient hat, zeigt auf der Vorderseite im oberen Bild eine Paradeszene und unter der Schulterklappe mit der Nr. 77 eine Szene, welche genauer betrachtet werden soll. In der ersten Reihe der Gruppenszene marschieren aktive Soldaten und dahinter beginnt der Ausmarsch der Reservisten, welche ihre Stöcke und Koffer schwenken. Über dieser lustigen Gesellschaft lehnen aus vier Fenstern lauter barbusige Frauen, was ohne Zweifel auf ein Freudenhaus hinweist. Man muss unwillkürlich dabei denken, dass der Ausmarsch der „guten Kundschaft" noch einen letzten bleibenden Eindruck für die Reservisten vermitteln sollte. Obwohl diese frivole Szene auf der Vorderseite des Reservistenkrugs angebracht ist, fällt sie nicht sofort auf, aber dem geschulten Sammlerauge bleibt sie natürlich nicht verborgen. Bisher sind mir nur Reservistenkrüge vom Infanterie Regiment Nr. 77 aus Celle mit dieser Szene bekannt.
Auf der rechten Krugseite ist oben eine Marschszene und unten eine Abschiedszene zu sehen. Die linke Krugseite zeigt oben eine Angriffsszene und unten eine Biwakszene. Auf dem kuppelförmigen mit militärischen Utensilien verzierten Deckel prostet ein sitzender Infanterist mit einem Bierkrug, mit eingelassener Glaslupe, aber ohne Foto. Darunter hängt an einer Öse ein spitzes Projektil. Am Drücker des Kruges sitzt ein auffliegender preußischer Adler auf einer Kugel. Die Namensleisten auf der Rückseite listen 53 Namen auf. Im Bodenbild verabschiedet sich ein Soldat von einer Frau, wobei im Hintergrund rechts die Silhouette einer Ortschaft und links eine rauchende Lokomotive zu sehen sind. Die Krughöhe beträgt 19,5 cm und die Gesamthöhe 30,5 cm.
Regimentsdaten: Das 2. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 77 wurde am 7. Nov. 1867 gegründet und ab 14. Sept. 1873 in der neuen Kaserne in Celle untergebracht. Es gehörte ab Ende März 1887 zum X. Armee-Korps in Hannover, der 20. Division in Hannover und der 40. Infanterie-Brigade in Hannover.
Quelle: Wikipedia · Text und Fotos: Wolfgang Gult, 06/2013
Ein ungleiches Reservistenkrug-Pärchen
Als Sammler von Reservistenkrügen findet man immer wieder einmal Reservistenkrug-Zwillinge, d. h. die Krug-Inhaber hatten im gleichen Regiment, in der gleichen Kompanie (Batterie oder Eskadron) und im gleichen Jahrgang miteinander gedient. Die Reservistenkrüge dieser Zwillinge unterscheiden sich lediglich im Reservistennamen und evtl. noch in der Dienstgradbezeichnung.
Wesentlich seltener findet man ein Reservistenkrug-Pärchen mit total unterschiedlichen Krug- und Deckelformen. Die folgenden Fotos und Beschreibungen zeigen ein solch außergewöhnliches, ungleiches Pärchen.
1.) Reservist Apfel – Feldartillerie-Regiment Nr. 47
Der Reservist Apfel hat in der 3. fahr. Batterie im 2. Kurhessischen Feld Art. Regt. Nr. 47 in Fulda von 1905–1907 gedient. Sein hoher Porzellankrug (0,5 L) mit einem rosa Namens-Medaillon auf der Vorderseite des Krugsockels zeigt über der Schulterklappe des Regiments die von Fahnen umgebene Büste der Germania. Rechts sind Kanoniere beim Laden eines Geschützes zu sehen. Die linke Krugseite zeigt drei Reiter auf Pferden, welche einen Munitionswagen und das anhängende Geschütz ziehen. Unter dem Krughenkel steht der Name des Verkaufsagenten: B. Schuchert, Fulda.
Der Krughenkel weist eine Besonderheit auf, denn er ist oben mit einer Bohrung versehen und in roter Farbe mit „D. R. G. M. No. 263664" beschriftet. Dadurch konnte der Zinndeckel mittels einer Schraube befestigt werden und auch jederzeit wieder gelöst werden. Diese Krugausführung mit separater Deckelbefestigung bezeichnet man als einen „Thüringer Krug". Das Gebrauchsmuster wurde am 12. Oktober 1905 von Gottlieb Zergiebel aus Röpfen (b. Gera) unter dem Titel „Bierseidel, dessen Klappdeckel um einen in einer Bohrung des Henkels gelagerten Stift drehbar ist" angemeldet.
Der glockenförmige Deckel hat als Abschluss einen reitenden Artilleristen mit gezogenem Säbel auf einem springenden Pferd. Am Drücker befindet sich der flache, preußische Adler. Das Durchscheinbild zeigt einen Abschied nehmenden Reservisten mit seinem Mädchen vor einem fahrenden Zug und einer Ortschaft.
Auf der linken Namensleiste steht ganz oben als erster Name: Res. Apfel und rechts unten der Einj. Frwl. Linsenbarth.
2.) Einj. Frwl. Linsenbarth – Feldartillerie-Regiment Nr. 47
Der Einjährige Freiwillige Linsenbarth diente ebenfalls in der 3. fahrenden Batterie im gleichen Regiment in Fulda von 1906–1907. Sein Porzellan-Reservistenkrug, ein sogenannter „Baumstumpfkrug" wegen den stammförmigen Verzierungen und dem Asthenkel so benannt, ist komplett mit vielen Farben bemalt. Die Vorderseite zeigt 5 Soldaten mit dem Geschütz und daneben die rote Schulterklappe mit der gelben Regimentsnummer 47 und einer explodierenden gelben Granate, umrahmt von einer durchbrochen schwarzen Kordel als Zeichen für den Einjährigen Freiwilligen.
Auf der rechten Krugseite reitet eine Gruppe Artilleristen mit dem dazugehörigen Geschütz ins Feld. Die linke Krugseite zeigt drei Reihen mit den Reservistennamen, wobei der Einj. Frwl. Linsenbarth an oberster Stelle steht und der Res. Apfel anschließend die Reihe der Reservisten anführt. Die Regiments- und Dienstzeitdaten stehen unter dem Krughenkel, sowie der Name des Verkaufsagenten: B. Schuchert, Fulda.
Den glockenförmigen Deckel ziert ein Geschütz mit zwei dahinter stehenden Artilleristen. Am Drücker befindet sich der flache, preußische Adler. Das Durchscheinbild zeigt einen Abschied nehmenden Reservisten mit seinem weinenden Mädchen vor der Silhouette einer Stadt und der Kaserne.
Mein großes Hobby: Seit 39 Jahren sammle ich Reservistenkrüge aus der Kaiserzeit
Als Reservistenkrüge bezeichnet man Bierkrüge aus Porzellan, Keramik, Zinn oder Glas, welche von Soldaten im Kaiserreich in der Zeit von 1890 bis 1914 als Andenken an ihre Militärdienstzeit gekauft wurden.
Nach dem Sieg über Frankreich 1870/71 stand das Militär bei der deutschen Bevölkerung in hohem Ansehen. Ein findiger Handwerker oder Porzellanmaler kam in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auf die Idee, dass die Soldaten eine Erinnerung an ihren Militärdienst mit nach Hause nehmen sollten. Da das Bier als Getränk und Genussmittel einen hohen Stellenwert hatte, lag es nahe, Bierkrüge mit bunten Motiven und Sprüchen aus dem Soldatenleben zu dekorieren. Anfangs hatten Porzellanmaler mit viel Handarbeit die Krüge bemalt. Als die Nachfrage nach diesen dekorativen Krügen um 1890 rapide anstieg, wurde daraus schnell ein großer Industriezweig. In Thüringen, Sachsen, der Oberpfalz und dem Westerwald fertigten Porzellan- und Keramikmanufakturen die Krugrohlinge und lieferten diese dann an Porzellanmaler und Krugmanufakturen zur weiteren Bearbeitung.
In den Kasernen stellten Händler und Verkaufsagenten verschiedene Muster und Ausführungen von Krügen und Dekorationen bei den künftigen Reservisten vor und nahmen die Bestellungen für die Anfertigung der Reservistenkrüge entgegen. Dies geschah in der Regel bereits ein Jahr vor dem Ende der Dienstzeit, da die Krüge mehrere zeitintensive Arbeitsprozesse durchlaufen mussten. Durch die Fliegenplage war auch noch ein Deckel auf dem Krug erforderlich. Hierfür montierten dann Zinngießer einen Zinndeckel, welcher meistens noch mit Figuren oder Gegenständen aus dem jeweiligen Dienstbereich der Soldaten verziert wurde.
Der Anschaffungspreis eines Reservistenkrugs lag je nach Ausführung zwischen 6,00 und 12,00 Mark. Ein Soldat verdiente 6,60 Mark und ein Gefreiter 9,00 Mark pro Monat, sodass der Kauf eine größere Investition erforderte.
Da jedes Jahr über 100.000 Reservisten ihre Dienstzeit beendeten, entstand so ein Markt mit immer größerem Wettbewerb und neuen Produktvariationen. Eine katalogmäßige Erfassung der vielen Typen und Ausführungen ist nicht möglich, da immer wieder neue und bisher unbekannte Stücke auf dem Markt auftauchen.
Nach dem 2. Weltkrieg fanden auch die amerikanischen Soldaten Gefallen an diesen dekorativen Krügen und nahmen sie in ihre Heimat mit. Deshalb befinden sich auch heute große und interessante Sammlungen in den USA. In Deutschland findet man aber immer noch Reservistenkrüge in privaten Haushalten als Familienandenken.
Ich bin weiterhin an Reservistenkrügen und Reservistika für meine Sammlung interessiert und würde mich über Angebote sehr freuen.
Wolfgang Gult · Tel. 07251/63465 · wolfgang.gult@t-online.de
Badische Neueste Nachrichten vom 24. April 2010
Kenner schnuppern am Zinndeckel
Menschen, die Bierkrüge sammeln und lieben, trafen sich am Wochenende in Beilngries – zu einer großen Tauschbörse für die bunten Kostbarkeiten.
Alt? Neu? Sammler Wolfgang Gult · Foto: altrofoto.de
Beilngries. Mittags juckt es den Vereinsvorsitzenden in den Fingern: „Jeder Krug 1 Euro", ruft Harald Busse in den Tagungsraum. Alles zuckt zusammen, der Scherz hat gesessen. Irritiert wenden die Krugsammler ihre Blicke von den bunten Kostbarkeiten auf den Tischen: „Der Busse wieder!" Nein, für einen Euro gibt's hier nix. Das teuerste Stück – ein seltener Reservistenkrug aus China um 1900 („Kanonendonner ist unser Gruß!") mit Flasche und Pfeife – ist auf 6000 Euro angesetzt.
Sonniger Samstagvormittag im schönen Beilngries im Altmühltal. Oben im 3. Stock des Romantikhotels „Der Millipp" beginnt die erste Tauschbörse des Vereins „Die Krugsammler e. V." Man hat sich erst im November vorigen Jahres in Dinkelsbühl neu gegründet – eine Abspaltung vom Krugverein „Alte Germanen". Sammler und Händler hätten sich, wie man hört, voneinander getrennt und „die echten Krugsammler" wären nunmehr unter sich.
R. Ron Heiligenstein, eine US-Kapazität der Bierkrugsammler und Verfasser des Standardwerkes „Regimental Beer Steins – Reservistenkruge 1890–1914" kam eigens aus Tucson, Arizona, um hier seine ohnehin schon spektakuläre Sammlung mit erlesenen Stücken zu vervollständigen. Die meisten seiner Schätze pflegt er in der US-Abteilung von E-Bay zu finden. Im Amerikanischen heißt Krug „stein", Engländer sagen „mug".
Krüge, die noch nie jemand sah
Viele Gäste haben den Hinweis in der Zeitung gelesen und bringen, dick in Papier eingewickelt, ihre Bierkrüge vorbei, damit sie einer der hiesigen Experten begutachten kann: Günter Motzet und seine Frau packen einen schönen Krug aus, der einen jungen Mann mit Studentenmütze, roter Fahne und der Aufschrift „Gleiches Recht für Alle!" zeigt, außerdem „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Das gute Stück aus dem Umkreis SPD/Arbeiterbewegung ist rund 100 Jahre alt und dürfte etwa 150 Euro wert sein.
Alle hier ausgestellten Bierkrüge sind eine wahre Augenweide: „Das ist ja das Tolle an diesem Sammelgebiet", erklärt Harald Busse, „es tauchen immer wieder Krüge auf, die noch nie jemand gesehen hat." Krüge, die jahrzehntelang wohlgehütet auf ihrer Filzunterlage in der Vitrine standen und von Erben, die nichts damit anfangen können, auf dem Flohmarkt oder bei E-Bay angeboten werden.
Figurenkrug, oben mit Maikäfer · Foto: altrofoto.de
So ein Reservistenkrug war im 19./20. Jahrhundert ja praktisch eine Ehrbarkeits-Urkunde für den Mann. Die Frage „Haben Sie gedient!?" (aus dem „Hauptmann von Köpenick" wohlbekannt) war in der kaiserlichen Gesellschaft von elementarer Bedeutung. Wer gedient hatte, signalisierte, dass er nicht vorbestraft, körperlich unversehrt war und den Dienst durchgestanden hatte, also zu etwas taugte.
„Allerdings sind auch viele Replikate von Bierkrügen im Umlauf", sagt Harald Busse; die meiste Neuware stammt aus dem Westerwald und kostet so um die 20 Euro. Dabei ist es gar nicht schwer, einen neuen Krug zu erkennen: Wenn z. B. das Bodenbild eine erotische Szene zeigt. Oder wenn ein Soldat mit Blumenstrauß dargestellt wird – die ganze Kaserne hätte sich damals halb tot gelacht.
„Reserve hat Ruh!"
Krugsammler Wolfgang Gult aus dem nordbadischen Kraichtal pflegt am Zinndeckel zu schnuppern, um das Alter zu prüfen: „Alte riechen gar nicht, neue riechen nach Legierung", sagt er. Besonders Blei schnuppert man heraus. Wolfgang Gult wurde 2011 die US-Würde „Master of Steinologist" der SCI (Stein Collectors International) verliehen, der Vereinigung, der auch Bierkrugpapst Ron Heiligenstein angehört. Gult kann sich noch gut an den ersten Reservistenkrug seines Lebens erinnern: Es war 1972 in Ost-Berlin. Er stand in einer Kneipe. Die Wirtin hat ihn für 50 DM abgegeben, weil sie eine neue Perücke brauchte – die bekam man damals nur für Westgeld.
Nach drei Stunden ist der Vereinsvorsitzende Busse zufrieden: „Es war mehr los, als ich's mir für das erste Mal erträumt habe." Schöne Krüge mit Aufschriften wie „Reserve hat Ruh!", „Meine Dienstzeit ist nun aus / sei gegrüßt, liebes Vaterhaus", „Ich hab gedient zu Pferd und Fuß / ich hab gegeben manchen Kuß" oder „An des Kessels heißer Wand / schwitzen wir fürs Vaterland" fanden neue Besitzer. Im nächsten Jahr trifft man sich „irgendwo zwischen Dresden und Meißen."
Insgesamt 250 historische Krüge wurden vorgestellt · Foto: altrofoto.de
Reservistenkrug für Linkshänder mit Vexiervorrichtung
Normalerweise kann aus einem Bierkrug mit der rechten oder linken Hand getrunken werden. Bei einem speziell angefertigten 1-Liter-Reservistenkrug aus Keramik würde man eine böse Überraschung erleben, wenn man ihn mit der rechten Hand zum Mund führt. Diese besondere Krugausführung hat auf der rechten Krugseite unter der oberen Krugwulst drei durchgestochene Löcher in der Krugwandung, welche aber von außen nicht erkennbar sind. Wird der gefüllte Krug nun von einem Rechtshänder angesetzt, läuft ihm das Bier aus den drei Löchern auf die Brust. Trinkt er aber mit der linken Hand, passiert ihm nichts.
Da diese drei Löcher schon vor dem Brennen des Kruges durchstochen werden mussten, hat man außen am Krugboden einen besonderen Hinweis eingedrückt: „m. Vexier-vorcht." – Diese Abkürzung bedeutet: „Mit Vexiervorrichtung". Außerdem ist noch die Form Nr. 744 und der Stempel der Herstellerfirma „Paul Klütsch Coblenz ges. gesch." eingeprägt.
Auf diesen Fotos sind zwei Reservistenkrüge für Linkshänder abgebildet. Der linke Krug stammt vom Reservist Auch, welcher beim 3. Bad. Inft. Regt. Markgr. Ludw. Wilh. No. 111 in der 7. Komp. von 1908–10 gedient hat. Der rechte Krug ist vom Reservist Leck, welcher beim 3. Hannov. Infant. Regt. von Voigts-Rhetz Nr. 79 in der 2. Komp. von 1911–13 war. Die Krugform und die Bemalung sind weitgehend identisch, mit Ausnahme der Regiments- und Hoheitsfarben. Am Drücker ist der flache badische Greif bzw. der auffliegende preußische Adler auf einer Kugel angebracht.
Das Foto vom Krugboden zeigt eine Stempelung des Krugherstellers: Der obere ovale Stempel weist auf den Hersteller „Paul Klütsch Coblenz ges. gesch." hin. Darunter steht der Schriftzug „m. Vexier-vorcht.", d. h. mit Vexiervorrichtung, und noch die Produktionsnummer Nr. 744 des Krugherstellers.
Reservistenkrüge in dieser Ausführung sind nicht oft zu finden und meistens kennt nur der erfahrene Reservistenkrug-Sammler das Geheimnis von diesen Sonderanfertigungen. Bei den amerikanischen Sammlern heißt dieser Scherzkrug „Puzzle Stein", was ebenso auf etwas Scherz- oder Rätselhaftes hinweist.
Nachstehend noch die Kopie eines Vexierbildes aus der Zeitschrift Lukullus, auf welchem man erraten soll, wo sich die drei Mäuse versteckt haben. Diese Art von Vexierbildern wurde früher öfters in Zeitungen und Zeitschriften als Rätselspaß für die Leser abgedruckt.
Vexierbild aus der Zeitschrift Lukullus – Wo verstecken sich die drei Mäuse?